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ISCHIALGIE
Schmerzen / Schmerz im Hüftnerv, Sitzbeinnerv
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Der Begriff:
Der Wortteil "Ischi" ist der Bezeichnung Nervus
ischiadicus entnommen und "algie" bedeutet "Schmerz
(haftigkeit)". Ischialgie beschreibt also Schmerzen im Isch
iasnerv, dieser wird z.T. auch als Hüftnerv oder Sitzbeinnerv bezeichnet.
Der Nervus isch
iadicus ist der längste und kräftigste Nerv im menschlichen
Körper. Er entstammt dem Plexus Lumbosacralis (=
Nervengeflecht der unteren Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins)
Bei manchen (wenigen) Menschen verlassen die
Nervenanteile peroneus communis und
tibialis das
Becken
bereits getrennt, also in zwei selbständigen Portionen. Diese
anatomische Variante gilt es zu bedenken, wenn eine Ischiadikusblockade
an der Oberschenkelrückseite nur ungenügend wirkt. |
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Mögliche Ursachen
einer Ischialgie, die (meist) mit
Kreuzschmerzen einhergeht:
-
Bandscheibenvorwölbung
-
Bandscheibenvorfall
-
Wirbelgleiten (Spondylolisthese)
- Stenose (= Einengung)
im Foramen intervertebrale
(=
Zwischenwirbelloch) (Nervenwurzelkompression),
hervorgerufen durch:
a)
Tumorbildung
b)
Randzackenbildung
c) Varizen (= Krampfadern) im Bereich der Rückenmarkshülle
d) Ödem
(= Flüssigkeitsansammlung) im Bereich der
Nervenwurzel
e) Wirbelbruch (Wirbelfraktur)
Andere Ursachen (überwiegend den
gesamten Nervenverlauf betreffend):
- Echte
Ischiasneuralgien,
als eigenständiges Krankheitsbild, gekennzeichnet durch häufige
Schmerzattacke
n
von wenigen Sekunden Dauer entlang des Nervenverlaufs sind selten.
- Nicht selten entsteht eine Ischialgie infolge von
Verletzungen oder iatrogen
(= durch ärztliche Einwirkung verursacht)
durch Operationen im Bereich der
Hüfte
und des
Oberschenkels.
Meist bestehen dann
Dauerschmerzen bzw. länger anhaltende
Schmerzepisoden.
- Eine Ischialgie kann auch durch falsch gesetzte
Spritzen ins
Gesäß
entstehen. Gefürchtet sind dabei besonders Rheumamittel. Das Schmerzbild ist
dem einer
Kausalgie
(= typische
Schmerzen bei
einer
Nervenverletzung,
auch als
komplexes regionales
Schmerzsyndrom Typ II bezeichnet)
ähnlich (brennender
Schmerz charakter
mit schmerzhaften Empfindungsstörungen).
- Eine schmerzhafte
Neuritis (Nervenentzündung)
des Ischiasnervs kann durch die Zuckerkrankheit (auch im Rahmen einer
Polyneuropathie), oder auch durch
Alkoholmißbrauch entstehen. Die länger anhaltende Ischialgie tritt bei
dieser Ursache meist beidseitig auf.
- Auch Vergiftungen mit einem Schwermetall (z.B.
Thallium, Blei, DDT) können im Sinne einer
Neuritis
zu einerIschialgie
führen. Typisch sind dabei motorische und sensible
(=
die
Muskel
kraft
und die Empfindung betreffende) Störungen oder gar Ausfälle.
Erwähnenswert ist
gesäßbetonte Ischialgie, da sich hinter diesem Beschwerdebild auch ein
Piriformissyndrom verbergen kann. Zu einem
Piriformis-Syndrom
kann es durch Verletzungen im Gesäßbereich kommen, so z.B. durch Sturz oder auch
durch eine unsachgemäße Spritze ins G
esäß,
woraus eine muskuläre Störung resultiert.
Weitere mögliche
Ursachen einer Ischialgie (den
unteren Nervenverlauf betreffend):
1.Isolierte
Schmerzen im
Bereich der
Unterschenkel
außenseite und des Fußrückens können auf ein
Fibulaköpfchen-Syndrom zurückzuführen sein. Am Fib
ulaköpfchen (=
Köpfchen des Wadenbeins) liegt der N.
peroneus communis (=
ein Nervenast des Is
chias)
unmittelbar am Knoc
hen
und kann dort leicht komprimiert werden, so z.B. durch einen Gipsverband, bei
Reposition (= Rückverlagerung in die normale Lage)
eines Schenkelhalsbruches oder durch Brüche und Verrenkung in diesem Bereich.
Für ein
Fibulaköpfchen-Syndrom
sind nach unten ausstrahlende Schmerz
en
bei Druck auf den Nerv hinter dem Köpfchen des
Wade
nbeins typisch.
2.Das
subakute oder chronische
Tibialis anterior Syndrom geht mit
Schmerz
en
an der Schienbeinvorderseite einher, verursacht durch eine
Nervenkompression (Nervenkompressionssyndrom)
in der Tibialisloge
(= die sog. Streckerloge, ein Raum mit geringer Ausdehnungsmöglichkeit).
Das akute
Tibialis anterior Syndrom
ist ein Notfall, der sofort operativ behandelt werden muß (Druckentlastung durch
Spaltung der bindegewebigen Muskelumhüllung).
3.Das
vordere
Tarsaltunnelsyndrom entsteht am Fußrüc
k
en durch Kompression des N. peroneus profundus
(= Nervenast des
Is
chias) unter dem Ligamentum cruciatum
(= gekreuztes Bindegewebsband),
so z.B. durch zu enges Schuhwerk. Druck auf das Ligamentum verstärkt die
Beschwerden am Fu
ßrücken.
4.Das
hintere
Tarsaltunnelsyndrom
entsteht durch eine Kompression zwischen Innenknöchel und Retinaculum flexorum
(= Halteband für die
Beugemuskulatur zwischen Innenknöchel und
Fers
enbein).
Typischerweise tritt ein Schmerz und Gefühlsstörungen an der
Fußsohle,
vor allem beim Gehen und nachts auf.
5.Die
Mortonneuralgie ist auf eine Neurombildung
(= gutartige Nervenauftreibung)
durch Druck auf die Nn. digitales II-IV
(=
Ner
v
en, die die Ze
hen
versorgen)
zurückzuführen. Die Patienten klagen über einen brennenden Schmerz im Bereich
der vorderen Fu
ßsohle.
Der brennende Schmerzcharakter gibt Anlaß zur Verwechslung mit einer
Sympathalgie
(= Schmerz
aufgrund einer Reizung des unwillkürlichen Nervensystems).
Behandlung bei
einem
Schmerz des Hüftnerv
s (Sitzbeinnerv):
Grundsätzlich gilt, daß durch eine
geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten) versucht werden muß, eine für die geklagten
Schmerz
en
ursächliche, spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese
zunächst kausal (=
entsprechend der Krankheitsursache)
behandelt werden.
Dazu ein Beispiel: Wird die Ischialgie durch einen Wirbelsäulentumor verursacht,
so steht an erster Stelle natürlich eine spezifische Krebstherapie
(Chemotherapie, Bestrahlung, Operation). Verbleiben nach einer
krankheitsspezifischen Behandlung dennoch
Schmerz
en,
leider häufiger auch nach
Bandscheibenoperationen, so eignen sich zur Behandlung
folgende Maßnahmen, wobei
Dauerschmerzen praktisch immer eine Kombination von verschiedenen
Therapieverfahren erfordern:
Medikamentöse
Schmerzbehandlung bei Ischialgie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig)
und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die
am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B. Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese
Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei
längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht
auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe
zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Orphenadrin,
Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark
wirkende
Schmerzmittel)
(z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) beherrschbar.
Ist die Ischialgie eher anfallsartiger Natur, also im Sinne einer Ischiad
ikus-Neuralg
ie, so ist die Verordnung
eines Antikonvulsivums
(= ein Mittel gegen
die Fallsucht, aber auch bei einem anfallsartigen
Schmerz
wirksam) angezeigt. Als
erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Die Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin bzw. Pregabalin oder Carbamazepin
einzusparen.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Ischialgie eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischer Ischialgie hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder
Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) bei
Ischialgie:
Bei einer anhaltenden Ischialgie sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen
Betäubungen und
Nervenblockaden. Sehr hilfreich sind wiederholte Einzelbetäubungen
des N. isch
iadicus,
wenn gleichzeitig Kreuzschmerzen
bestehen, in Kombination mit
Nervenwurzelblockaden neben der
Wirbelsäule. Bei
verhärteter
Muskulatur
im Lendenbereich ist dann zusätzlich die wiederholte, großzügige Infiltration
derselben zur Muskelentspannung mit Bupivacain (0,25 - 0,5%) sehr lohnend.
Betäubungen (Blockaden) des
Isch
ias
gelingen am sichersten infragluteal
(= unterhalb des Gesäßes).
Im Gegensatz zur transglutealen
(= durchs
Gesä
ß
hindurch) Technik kann eine deutlich
kürzere und damit dünnere Nadel verwendet werden. Der Einstich erfolgt ca. 3
Querfinger unterhalb der Gesäßfalte am rückwärtigen
Oberschenkel. Die
exakte Position kann bei Verwendung einer dünnen Kanüle durch Auslösung von
Parästhesien
(= Fehlempfindungen) ermittelt
werden. Der Verlauf des Nerven kann auch mit einer transkutanen
(= über die Haut verabreichten)
elektrischen Nervenstimulation (TENS) mit Zielelektrode zuvor
identifiziert werden.
Zur
Schmerztherapie
reichen 10-15 ml z.B. Bupivacain 0,125-0,15% aus. Bei dieser Konzentration
bleibt die Motorik intakt, so daß begleitend physiotherapeutische Maßnahmen
(= Krankengymnastik,
Anwendungen) durchgeführt werden
können, bzw. bei starken Schmerz
en
durch Hemmung der Nozizeption
(= Schmerzreizleitung) überhaupt
erst möglich werden.
In hartnäckigen Fällen
hat sich zur Behandlung einer Ischialgie die
kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus mit Katheter sehr
bewährt. Dabei wird, ebenfalls von der Oberschenkelrückseite her, ein dünner
Kunststoffschlauch (Katheter) durch eine Kanüle hindurch in die Nervenscheide
(= Gewebsumhüllung
eines Nerven) des
Isch
ias
eingepflanzt und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. In der
Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der
vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt.
Ist die Ischialgie auf Störungen im Bereich der unteren
Lendenwirbelsäule
zurückzuführen und bestehen deshalb gleichzeitig
Kreuzschmerzen, empfiehlt sich die Durchführung der genannten
Blockadetechnik in der sog. retrograd hohen Variante. Dabei wird während den
Katheterfüllungen der Oberschen
kel
unterhalb der Einstichstelle mit einer Manschette abgestaut. Das örtliche
Betäubungsmittel kann sich auf diese Weise innerhalb der Nervenscheide nur nach
oben ausbreiten und so dann auch die gestörten Nervenwurzeln im Lendenbereich
erreichen und dort bezüglich der
Kreuzschmerzen
ebenso lindernd wirken. Mit dieser sog. retrograd hohen
Blockadevariante werden zusätzliche
Ner
venwurzel-Blockaden im unteren Lendenbereich zur Behandlung der
Kreuzschmerz
-Komponente entbehrlich.
Beim
Tarsaltunnelsyndrom und bei der
Morton-Neuralgie
können die betroffenen Äste des Isch
ias
zunächst auch weiter unten wiederholt betäubt werden.
Physikalische Therapie
bei einem
Schmerz des Hüftnerv
s (Sitzbeinnerv):
Auch die Elektrostimulation kann bei Ischialgie eine Beschwerdelinderung
herbeiführen. Die transkutane
(= über die Haut verabreichte) Stimulation mit
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich
die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden über dem
Ischiasverlauf am rückwärtigen Oberschen
kel
aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße
kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer Ischialgie empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls eine Ischialgie lindern.
Nahezu unverzichtbar bei einer vertebragen verursachten
(= durch Störungen im Bereich
der Wir
belsäule
verursachten) Ischialgie ist die
heilgymnastische Therapie, insbesondere in Form der
Rückenschule,
da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern
und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
Rüc
k
en-
und
Bauch
muskulatur zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige
Mus
kulatur
eine statische und dynamische Insuffizienz des Achsenorgans kompensieren kann.
Pflegerisch ist bei akuter und subakuter
(= nur schwach ausgeprägten)
Ischialgie auch an die Lagerung im Stufenbett zu denken.
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